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Altersvorsorge Selbstständige Lesezeit ca. 7 Minuten

Rürup oder Altersvorsorgedepot? Was zu welchem Selbstständigen passt.

Beide sind staatlich gefördert. Beide sind eigenständige Wege. Und beide werden gerne in einen Topf geworfen, obwohl sie sehr unterschiedlich funktionieren. Eine ehrliche Entscheidungshilfe – ohne Verkaufsabsicht.

Die Kurzantwort vorweg: Es gibt nicht „den besseren" Weg. Welcher zu dir passt, hängt von drei Faktoren ab – deiner Steuerlast, deinem Flexibilitätsbedürfnis und deinem Anlagehorizont. Dieser Beitrag zeigt dir, wie du daraus eine Entscheidung machst.

Worüber wir hier eigentlich reden

Die Rürup-Rente – offiziell „Basisrente" – ist seit 2005 die geförderte Altersvorsorge speziell für Selbstständige. Ihr Hebel ist die Steuer: Beiträge sind in hohem Umfang als Sonderausgaben absetzbar. Im Gegenzug ist das Geld festgeschnürt – es gibt am Ende ausschließlich eine lebenslange Rente, keine Kapitalauszahlung, keine vorzeitige Verfügung.

Das Altersvorsorgedepot startet zum 1. Januar 2027 und löst die Riester-Rente ab. Für Selbstständige ist es eine echte Neuerung: Bisher war geförderte private Altersvorsorge im Riester-System für die meisten Selbstständigen verschlossen. Mit dem neuen Depot sind sie zum ersten Mal vollständig dabei. Der Hebel hier sind direkte Zulagen plus eine flexiblere Auszahlphase.

Beides sind also geförderte Wege – aber mit ganz unterschiedlicher Förderlogik. Genau das ist der Punkt, der die Entscheidung trägt.

Die zwei Mechaniken im direkten Vergleich

PunktRürup / BasisrenteAltersvorsorgedepot (ab 2027)
Förderung überSteuer (Sonderausgabenabzug)direkte Zulagen + Steuerstundung
Wirkt am stärksten beihoher Steuerlast (hohes zu versteuerndes Einkommen)jedem, unabhängig vom Einkommen
Maximaler geförderter Beitraghohe jährliche Höchstgrenze (Sonderausgaben)1.800 € (volle Zulage) bzw. 6.840 € (mit Steuerstundung)
Auszahlungausschließlich lebenslange Renteflexibel: Auszahlplan oder lebenslange Rente, Teilkapital möglich
Kapital im Notfall verfügbar?nein – Hartz-IV-sicher, aber nicht zugänglichnur eingeschränkt – Vorsorgezweck bleibt geschützt
Vererbbarkeitstark eingeschränktbesser geregelt, aber ebenfalls mit Vorsorgezweck-Bindung

Stand: Altersvorsorgereformgesetz / Basisrenten-Regelungen 2026. Details können sich bis zum Inkrafttreten konkretisieren.

Wann Rürup der stärkere Hebel ist

Die Basisrente entfaltet ihre Kraft über die Steuerersparnis. Das heißt im Klartext: Je höher dein zu versteuerndes Einkommen, desto größer der Effekt. Bei einem Selbstständigen mit niedriger Steuerlast verpufft der Vorteil weitgehend – bei einem mit hoher Steuerlast kann die Rürup-Rente die geförderte Form mit der größten absoluten Wirkung sein.

Der zweite Aspekt ist Hartz-IV-Sicherheit und Pfändungsschutz: Rürup-Vermögen ist in der Ansparphase weitgehend geschützt. Für Selbstständige mit unternehmerischem Risiko – etwa Solo-Selbstständige, deren Geschäft auch mal in eine Schieflage geraten kann – ist das ein echter Wert. Was im Rürup-Vertrag liegt, ist im Krisenfall sicher.

Der Preis dafür: Du kommst nicht heran. Vor Rentenbeginn keine Auszahlung, keine Beleihung, keine flexible Verfügung. Wer sich nicht sicher ist, ob er das Geld später nicht doch braucht, sollte das ernsthaft mit einplanen.

Wann das Altersvorsorgedepot der bessere Weg ist

Das Altersvorsorgedepot punktet dort, wo Rürup schwächelt: Flexibilität. Du kannst dich in der Auszahlphase zwischen lebenslanger Rente und Auszahlplan entscheiden, ein Teil kann sogar als Kapital ausgezahlt werden. Wer mit 67 nicht weiß, ob er das Geld lieber als gleichmäßige Rente will oder phasenweise mehr braucht, hat hier echte Wahl.

Der zweite Aspekt ist die Förderlogik per Zulage: 540 € maximale Grundzulage pro Jahr fließen unabhängig vom Einkommen. Das heißt – im Gegensatz zu Rürup – auch ein Selbstständiger mit niedrigerer Steuerlast hat einen messbaren Förderhebel. Und für Selbstständige mit Kindern kommt pro Kind eine zusätzliche Zulage von bis zu 300 € im Jahr dazu.

Der dritte Aspekt: Das Altersvorsorgedepot setzt strukturell auf Kapitalmarkt – also auf langfristige Anlage in Fonds oder ETFs. Über lange Zeiträume hat das historisch deutlich höhere Renditen gebracht als klassische Versicherungsanlage. Wer früh anfängt und 30+ Jahre Anlagehorizont hat, profitiert davon überproportional.

Welcher Weg zu welchem Selbstständigen passt

Statt einer Pauschalantwort hier vier typische Konstellationen aus meiner Beratungspraxis:

Eher Rürup

Hoher Verdienst, stabiles Geschäft, 40+

Hohe Steuerlast, eingespielte Selbstständigkeit, klarer Vorsorgehorizont. Hier ist die Steuerersparnis der größte Hebel, und die fehlende Flexibilität ist meist verkraftbar, weil andere Liquiditätsreserven vorhanden sind.

Eher Depot

Junger Selbstständiger, langer Horizont

Anfang 30, Geschäft im Aufbau, noch wechselnde Einkommen. Hier wirkt der Kapitalmarkt-Hebel über 30+ Jahre stark, die Zulage ist einkommensunabhängig wertvoll, und Flexibilität ist in dieser Lebensphase mehr wert als maximaler Steuereffekt.

Eher Depot

Selbstständige mit Kindern

Die Kinderzulage von bis zu 300 € pro Kind und Jahr beim Altersvorsorgedepot ist ein direkter Förderhebel, den Rürup so nicht hat. Bei mehreren Kindern summiert sich das spürbar.

Oft beides

Etabliert mit Vorsorgelücke

Selbstständig seit Jahren, Geschäft läuft, aber bei der Altersvorsorge ist Nachholbedarf. Die Antwort ist hier selten „nur einer" – sondern eine Kombination, die Steuerhebel und Flexibilität gleichzeitig nutzt.

Der wichtigste Punkt: Es muss kein Entweder-oder sein

Rürup und Altersvorsorgedepot schließen sich nicht aus – sie können nebeneinander laufen und sich sinnvoll ergänzen. Wer hohe Steuerlast hat und Kinder, kann beide Hebel parallel nutzen: Rürup für den Steuereffekt, das Depot für die Zulage und die spätere Flexibilität. Die wirklich gute Beratung bringt diese Kombination ins Gleichgewicht, statt sich auf einen Weg zu versteifen.

Was du nicht aus einem Online-Rechner herausbekommst

Beide Wege lassen sich isoliert durchrechnen – aber die wirkliche Entscheidung hängt davon ab, wie sie zu deinem gesamten Vorsorgebild passen: bestehende Verträge, andere Sparformen, ETF-Depot, Immobilie, betriebliche Liquidität. Ein guter Rürup-Vertrag kann eine schlechte Wahl sein, wenn er deine Liquidität in der falschen Lebensphase festschnürt. Ein gutes Altersvorsorgedepot kann verpuffen, wenn der Zinseszinseffekt durch zu hohe Anbieterkosten aufgefressen wird.

Genau diese Gesamtbetrachtung ist der Punkt, an dem Beratung über Rechnen hinausgeht. Wer dir auf die Frage „Rürup oder Depot?" eine Pauschalantwort gibt, hat sich deine Situation nicht angesehen.

Wie ich an diese Frage rangehe

Im Erstgespräch schaue ich mir an, was bei dir schon läuft – steuerlich, an Sparbausteinen, an Sicherheiten. Daraus ergibt sich, welcher Förderweg den größeren Hebel hat und ob eine Kombination sinnvoll ist. Und wenn die ehrliche Antwort lautet, dass weder Rürup noch Depot in deiner aktuellen Phase Priorität haben, sage ich dir das auch. Kostenloses Erstgespräch vereinbaren →

Dieser Beitrag fasst Förderwege allgemein zusammen und ersetzt keine individuelle Beratung. Welcher Vorsorgeweg in welcher Kombination für dich geeignet ist, hängt von deiner persönlichen Situation, deinem zu versteuernden Einkommen und deinen Zielen ab. Gesetzliche Details zum Altersvorsorgedepot können sich bis zum Inkrafttreten 2027 noch konkretisieren. Angaben ohne Gewähr.

Welcher Weg passt zu dir?

Lass uns deine Situation gemeinsam anschauen – ehrlich, unverbindlich, mit klarer Empfehlung am Ende. Auch wenn die lautet: weder noch.

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